Stift Michaelbeuern
Als im 8. Jahrhundert im Oichtental am Fuße des Lielon die Abtei Michaelbeuern gegründet wurde, legten die Mönche ein Fundament, das im Auf und Ab der Geschichte die Wirren der Zeit durchstand und auch immer wieder zu neuer Blüte fand.
Auf diesem guten Boden konnten die Wurzeln in die Tiefe gehen. Deshalb war es auch möglich, daß das Kloster mit seinen benediktinischen Wurzeln immer wieder neue Triebe ansetzte was sich besonders in den letzten Jahren wiederum durch die Tatkraft des 55. Abtes Nicolaus Wagner OSB zeigte. Gerade im Bereich der Dorferneuerung konnte das Stift für das Land Salzburg zukunftsweisende Wege beschreiten. Ich möchte nun auf den Kern des Unternehmens "Dorferneuerung" in den klösterlichen Bereichen, im Blick auf die Zeichen der Zeit eingehen: Aus dem gewachsenen Boden kommt die Erneuerung. Wir bewahren was wertvoll und brauchbar ist, schauen aber nach neuen tragfähigen Lebensmodellen aus. An unseren fünf Aufgabenbereichen möchte ich nun darlegen, wie wir Dorferneuerung zu realisieren suchen.
Klösterliches Leben
Die Berufung und Gestaltung klösterlichen Lebens ist von der Zielsetzung her immer eingebunden in das Geschehen der Welt. In der Gesamtheit ist Ordensleben trotz menschlicher Unzulänglichkeiten in seinem tiefsten Sinn Leben dem Himmel zur Ehre und der Erde zum Zeichen. Die meisten Menschen kennen ja nur aus Filmen, was klösterliches Leben ausmacht. Und da ist vieles einseitig und verzerrt dargestellt. Durch das benediktinische Leitwort "Ora et labora" (Bete und arbeite) ist für uns jeder Tag innerlich und äußerlich "geordnet'. Wir beginnen bewußt den Tag mit dem Gebet des Morgenlobes und der Feier der Eucharistie (Hl. Messe). Im Ablauf des Tages geht dann jeder seiner Arbeit nach. Viermal treffen wir uns täglich zum Gebet und auch eine freie Zeit (Muße, Erholung, frei sein für ) ist im Tagesablauf vorgesehen.
In einer Zeit voller Leistungsdruck und Hektik tut es gut, einen so ausgleichenden Rahmen zu haben und danach leben zu können. Da in unserer Zeit immer mehr Menschen in einen gestörten Lebensrhythmus getrieben werden, bieten wir an, daß sie für eine bestimmte Zeit bei und mit uns leben dürfen. Dieses Angebot hat immer mehr Nachfrage und in den Rückmeldungen erfahren wir, daß es ihnen nicht nur gut tat, sondern manche geradezu heilsame Erfahrungen im Kloster gemacht haben.
Schule und Internat
Das Stift ist Träger unserer Privathauptschule (mit
Öffentlichkeitsrecht). Sie bietet derzeit ca. 300 Schülerinnen - wobei
43 im Internat leben - in mehrfacher Hinsicht eine ganzheitlich
menschliche Bildung an.
Unsere Schwerpunkte bzw. unser Schulprofil liegen in:
Werterziehung (wie z.B. Leben in Gemeinschaft, sinnvolles Lernen, Feste feiern, demokratische Bildung, religiöse Prägung). Dies alles geschieht auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes. Wir orientieren uns seit dem Jahr 1995 am sogenannten Marchtal-Plan.
Auch Leistung und entsprechende Förderung von Schülern ist uns wichtig.
Der Geist der Schule ist genährt von der Rückbindung an das Kloster.
Im Internat wird besonders noch gefördert: Leben lernen in Gruppen und Gemeinschaften; einen festen Rahmen für ein gezieltes Lernen haben; persönliche Gespräche und Begleitung in der Erziehung zum reifen Christen.
Die Erfahrung zeigt, daß gerade dieses Internatsleben vielen Heranwachsenden eine gute Brücke ins weitere Leben geboten hat. Es gibt regelmäßig Klassentreffen. Nicht wenige kommen gerne dann zum Kloster, wenn sie den Bund der Ehe schließen wollen, oder eines ihrer Kinder zur Taufe anmelden. Im Jänner dieses Jahres hat unser Mitbruder OSR Pater Paulus Haidenthaler, der mehr als 17 Jahre die Geschicke unserer Schule führte und wesentlich prägte, die Leitung Herrn Werner Dallinger übertragen, die Internatsleitung liegt weiterhin in den Händen von Pater Paulus Haidenthaler.
Das Exerzitien- und Bildungshaus
Im Exerzitienhaus des Klosters kann man sich für einige Tage aus dem Alltag zurückziehen.
Durch die großangelegte Restaurierung der alten, teils gotischen Gebäude und die großzügige Sanierung in den Jahren 1984/85 wurde zunächst der äußere Rahmen für neue Internatsräume und ein Exerzitienhaus geschaffen. Was fügt sich besser in ein Kloster ein, als dem nach Gott hungernden Menschen auch ein entsprechendes Angebot zu bieten, das die Seele nährt.
Über jedem Benediktinerkloster steht das Wort "Pax", das heißt Friede. Zwar soll der moderne Mensch in unserer gehetzten und friedlosen Zeit mit vielfältigem Konsumangebot zufriedengestellt werden, Dies mißlingt weitgehend, wie sich immer wieder zeigt. In dieses bedrohliche Vakuum schleichen sich beim Menschen immer mehr Lebensblockaden ein. Gott ist aber Mensch geworden, damit wir Menschen Leben in Fülle haben (Johannes 10, 10).
Auf diesem Hintergrund hat die Leiterin des Bildungshauses, Frau Mag. Renate Schmölzer, ein reichhaltiges Programm entworfen, das dem ausgehungerten Menschen vor allem geistliche, christliche Nahrung anbietet.
Frau Mag. Schmölzer hält selber viele geistliche Kurse, ist gefragte Referentin in seelsorglichen Themen und kann mit ihrer qualifizierten Ausbildung, langjährigen pastoralen Praxis und tiefen Lebenserfahrung überzeugend den christlichen Glaubensschatz öffnen. Die ruhige Lage des Hauses, die ansprechende Atmosphäre, das inhaltlich profunde Programm und die Möglichkeit, auch am klösterlichen Stundengebet teilzunehmen, wurde schon für viele Kursteilnehmer der Anfang zu einem erfüllteren Leben.
Die Klostersammlung ein Geheimtip für Kunstliebhaber
Ein Erlebnis sind Kosterführungen mit Prior P.Berthold
Egelseder. Im Bild mit Kulturreferent Landeshauptmann-Stellvertreter
Gerhard Buchleitner, Bgm. Karl Paradeiser und Beamten der Salzburger
Landesregierung.
Auch wenn nicht alle kulturellen Schätze der Benediktinerabtei Michaelbeuern wissenschaftlich geordnet sind, bieten wir doch dem Besucher Führungen an, die Spezialitäten und Kleinode von besonderem Reiz enthalten. Ein unbeschreibliches Erlebnis sind die Klosterführungen von Prior P Berthold Egelseder. Er lebt seit 1937, mit Ausnahme des Krieges und manchen auswärtigen Aufgaben, vorwiegend im Kloster und hat daher ein reichhaltiges Wissen über die Klostergeschichte.
Eine Stiftsführung beinhaltet: Die Klosterkirche, das Museum (mit dem karolingischen Refektorium), die barocke Bibliothek, den Abteisaal
Die Sanierung des wunderschönen Abteisaales konnte bereits 1988 abgeschlossen werden.
und je nach Umständen eventuell eine
Sonderausstellung.
Namen wie Johann Michael Rottmayr, Paul Troger oder Meinrad
Guggenbichler stehen für Zeugnisse der kirchlichen Hochkunst.
Ca. 200 kunstvolle Abgüsse von Modeln für Wachs, Lebkuchen und Butter, deren
Originale einen Zeitraum von 750 Jahren umspannen, sind ein Geschenk von F.
Morandell aus St. Peter in Salzburg. Man kann sagen: Wir haben nicht große
Galerien anzubieten, dennoch geben unsere Stiftsführungen durch die Mönche
einen interessanten Einblick in Architektur und Kunstschätze verschiedenster
Epochen.
Pfarrseelsorge
Das Herzstück des Benediktinerstiftes, die Klosterkirche wurde in den, Jahren 1996197 restauriert.
Ein wichtiger Aufgabenbereich ist die Seelsorge, ein Spezifikum der Benediktinerklöster Österreichs, in den zu unserem Stift gehörenden Pfarren Perwang, Salzburg-Mülln, Salzburg-Maxglan, Lamprechtshausen und der Stiftspfarre Dorfbeuern. Der Heimatpfarre Dorfbeuern wurde immer ein besonderes Augenmerk geschenkt. In jüngster Zeit allerdings muß sich die Bevölkerung ihren Seelsorger teilen, da dieser wie alle Mönche unseres Klosters wegen des Nachwuchsmangels gleichzeitig mehrere Aufgaben wahrnehmen muß.
In Predigten, Hauslehren und vielen persönlichen Gesprächen
wurde immer wieder auf den inneren Grund der Dorferneuerung
Bezug genommen: Auf den Geist kommt es an und auf eine
Seelsorge, die aus dem Herzen kommt, denn nichts wünscht sich
ein Dorf mehr, als Menschen mit Herz. Sonst blieben wir eine
Gemeinde, in der vieles mehr oder weniger gut funktioniert, aber
dem Ganzen die Seele fehlt. Ein wichtiger Abschnitt in dieser
Dorferneuerung war sicher ein gemeinsamer Einkehrtag der Politiker
(Gemeinderäte), Vereinsobleute, VS-Lehrer, der Pfarrgemeinderäte
und anderer ehrenamtlicher Mitarbeiter.
Niemand wird die immer größer werdenden Probleme heute im
Alleingang lösen können. Durch "Gemeinsam Gemeinde gestalten"
wird vieles ein gemeinsames Anliegen. "In Dir muß brennen, was Du
in anderen anzünden willst", sagte Augustinus und so brennt uns
eben vieles aus dem alltäglichen Leben der Menschen "auf den
Nägeln": Die Feierkultur, das soziale Bewußtsein, die Bewältigung
des Auseinanderlebens der Generationen, das Familienleben, die
Freizeitkultur und die zunehmende Anonymität und Übernahme von
Verantwortung, die Sucht nach Internet und der Verlust der
Gesprächskultur.
Die Wirtschaftsbetriebe des
Klosters
Seit den Anfängen der Klostergeschichte gehörten verschiedene
Grundbesitzungen zum Stift. Diese wurden zum Teil als Wald und
nach der Rodung und Urbarmachung als Wiesen und Felder
bearbeitet und genutzt. Bis in unsere Tage herauf wurde und wird die
Bearbeitung dieser forst- und landwirtschaftlichen Flächen durch das
Stift wahrgenommen. Wir haben ca. 200 Hektar Waldfläche und ca,
100 Hektar Wiesen, Äcker und Moorgebiete, was im Hinblick auf das
zu erhaltende Kulturgut viel zu klein ist. Da bei uns die Finanzmittel
immer etwas knapp waren, wurde nie viel Kunstdünger gestreut, sondern immer schon eine extensive Bewirtschaftung der Flächen
betrieben. 1990
haben wir auf Mutterkuhhaltung umgestellt und einen großen
Freilaufstall für die Mutterkühe gebaut. Wir sind ein "großer Bauer"
und haben frei laufende Hühner, Schweine, Masttiere und eben die
Mutterkühe. Wir bauen auch etwas Getreide an zur Verfütterung an
die eigenen Tiere. In unserer Landwirtschaft haben wir also einen
guten ökologischen Kreislauf. Die Flächen und die Anzahl der Tiere
stimmen gut überein.
Unsere Wälder haben wir auch in den letzten 15 Jahren durch den Bau von 3,5 Kilometer Forststraßen gut aufgeschlossen. Dadurch ist eine bessere Pflege und Bewirtschaftung des Waldes möglich. Wir versuchen, rechtzeitig die Stammzahlreduzierung vorzunehmen und die Durchforstungen entsprechend durchzuführen. Der Großteil des Waldes ist Mischwald, natürlich gibt es auch noch einige Flächen mit reiner Fichtenkultur. Zum Teil haben wir eine natürliche Waldverjüngung. Waldpflanzen nachzusetzen ist dennoch erforderlich, damit auch die kommenden Generationen einen gesunden und auch nutzbaren Wald vorfinden.
1985 wurde die stiftseigene Heizung als Rinden und Abfallheizung genehmigt und gebaut. Diese Holzheizung war das erste Pilotprojekt im Land Salzburg. Zunächst versorgten wir den gesamten Stiftsbereich mit Wärme, bald aber haben wir einen Kilometer Fernwärmeleitungen im Ort verlegt und so konnten alle öffentlichen Gebäude wie Gemeindeamt, Feuerwehrhaus, Volksschule und Kindergarten, sowie viele Privathäuser angeschlossen werden. Das Fernwärmeunternehmen bezieht das Brennmaterial zu etwa einem Viertel aus dem stiftseigenen Wald, drei Viertel von den Bauern der Umgebung sowie von Parkettbodenfabriken in Salzburg und Lauterbach.
Ob wir die Windenergie auf dem Lielon zur Gewinnung von elektrischem Strom nutzen können, hängt noch von verschiedenen Faktoren ab. Vielleicht kann aber auch dieses zukunftsweisende Projekt einmal verwirklicht werden.
Mag. P. Franz Lauterbacher OSB
Benediktinerabtei Michaelbeuern
Die Mönche des Benediktinerstiftes Michaelbeuern mit dem 55. Abt, Nicolaus
Wagner OSB (rechts im Bild).
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