Maria Plain

Die Wallfahrt Maria Plain verdankt ihr Entstehen dem auf dem Hochaltar der Kirche zur Verehrung ausgestellten Bilde der seligsten Jungfrau Maria. Die Gottesmutter ist sitzend dargestellt, das Jesuskind auf dem Schoße, das sie durch Aufheben eines Tuches gleichsam dem Beschauer zeigen will. Dies Bild war ursprünglich das Eigentum eines gewissen Paul Regner, Bäckermeister im Markte Regen bei Regensburg in Bayern. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges, im Dezember 1633, wurde der Markt Regen von einem Trupp schwedischer Soldaten geplündert und zu einem großen Teil eingeäschert. Auch das Haus des Bäckers wurde ein Raub der Flammen. Beim Wegräumen des Schuttes fand man unter dem verbrannten Holzwerk des Hauses ein Marienbild, das fast völlig unversehrt geblieben war. Man betrachtete dies als ein Wunder, und die Frau des Pflegers von Fürsteneck, Frau Argula v. Grimming, suchte das Bild um jeden Preis in ihren Besitz zu bringen. Es gelang ihr schließlich auch, indem sie der Frau des Bäckers ein anderes Marienbild gab. Bald darauf zog die Familie v. Grimming nach Salzburg, wo sie das Schloss Mülleck - an der Stelle des heutigen Landeskrankenhauses - und einige Güter besaß. Zu diesen gehörte auch der Gutshof Plain (heute steht dort der Wallfahrtsgasthof Moßhammer), in der Senke des Plainberges gelegen, über die ein Fußweg vom Weiler Kemating nach der Ortschaft Lengfelden führte. Hieher begab sieh nach dem Tode seiner Eltern der damals nicht mehr ganz junge Rudolph v. Grimming, wohl in der Absicht, an diesem abgelegenen und einsamen Orte einen längeren Aufenthalt zu nehmen. Er nahm ja auch sein Familienheiligtum, das Marienbild seiner Mutter, mit sich, das er am 9. Dezember 1652 neben seinem Meierhof in einem eichenen Kasten aufstellte.

Aber seines Bleibens in Plain war nicht lange. Die Geschichte des Bildes, dass es im brennenden Hause unversehrt geblieben, hatte sich rasch herumgesprochen, und bald kamen immer mehr Gläubige aus der Umgebung, um vor diesem Bild ihre Andacht zu verrichten und die Gottesmutter um Hilfe in ihren Anliegen zu bitten. Als jedoch das f.e. Konsistorium in Salzburg von dieser neuen privaten

Andachtsstätte erfuhr, war es keineswegs damit einverstanden. Jedenfalls, um abergläubische Missbräuche zu verhindern, verlangte die kirchliche Behörde, Rudolph v. Grimming solle sein Bild in einer Kirche aufstellen. Er aber wollte sich von seinem Heiligtum nicht trennen und brachte das Bild wieder in sein Schloss Mülleck zurück. Da jedoch viele Leute die Entfernung des ihnen schon liebgewordenen Bildes bedauerten, ließ er eine Kopie davon anfertigen und stellte diese anstatt des Originals in den Eichenkasten.

Dieser Rudolph v. Grimming war ein frommer und auch einigermaßen gebildeter Mann, aber er war ein weltfremder Sonderling und wirtschaftlich untüchtig. So kam es, daß er in Schulden geriet und seine Güter im Jahre 1658 versteigert wurden. Er zog dann - samt seinem Bilde von Salzburg weg und begab sich in die Gegend von Nesselwang, nordwestlich von Füssen im Allgäu, wo er sich im Walde des Wankerberges eine Einsiedlerklause und eine Kapelle baute, in der er sein Bild wieder aufstellte. Als aber auch hier bald ein Zulauf des Volkes einsetzte, befahl das bischöfliche Offizialat Augsburg die Entfernung des Bildes. Es wurde in das Augsburger Ordinariat gebracht, wo es vorderhand in Verwahrung blieb.

Aber auch die Kopie im Eichenkasten in Plain wurde vom Volk der Umgebung immer mehr verehrt und man sprach bald von auffallenden Gebetserhörungen. Tatsächlich stammt das älteste Plainer Votivbild aus dem Sommer oder Herbst 1653. Es ist übrigens das einzige von den vielen Hunderten, das der Vernichtung in der Zeit der Aufklärung entgangen ist.

Schon im Jahre 1656 wurde an der Stelle des Eichenkastens eine hölzerne Kapelle gebaut, der dann 1710 eine steinerne folgte: die heutige "Ursprungskapelle". Wie rasch der Besuch seitens der Bevölkerung anwuchs, zeigt der Umstand, daß Fürsterzbischof Guidobald v. Thun im Jahre 1657 auf dem Plainer Plateau eine größere, achteckige Kapelle aus Holz mit drei Altären errichten ließ, auf deren Hochaltar eine zweite Kopie des Gnadenbildes aufgestellt wurde, während die erste bis heute in der Ursprungskapelle verblieb. Nun nahm der Besuch von Plain ungeheuer zu, ein Beweis dafür sind die 33.795 heiligen Messen, die in dieser Kapelle in den siebzehn Jahren ihres Bestandes gelesen wurden. Deshalb plante schon der genannte Fürsterzbischof Guidobald den Bau einer großen Kirche, den aber erst sein Nachfolger Maximilian Gandolf v. Kuenburg durchführte. Am 20. April 1671 legte er den Grundstein zur Kirche wie zu dem mit ihr durch einen Torbogen verbundenen Wohnhaus für die Wallfahrtsseelsorger. Schon drei Jahre später, am 12. August 1674, konnte der fürstliche Bauherr die feierliche Weihe der Kirche vornehmen, worauf die in der hölzernen Kapelle befindliche Kopie des Gnadenbildes in die Kirche übertragen, die Kapelle selbst aber sofort abgerissen wurde. Am 19. März 1676 konnten auch die Wallfahrtspriester ihre neue Wohnung beziehen. Es waren Benediktinerpatres, denn Erzbischof Max Gandolf hatte die Wallfahrt der Benediktiner-Universität in Salzburg einverleibt. Zugleich enthielt die Übergabsurkunde die Bestimmung, daß die Wallfahrt mit allen Rechten und Pflichten an das Stift St. Peter fallen solle, wenn die Universität aufhören oder vom Benediktinerorden getrennt würde. Dieser Fall trat ein, als die Universität im Jahre 1810 von der bayrischen Regierung aufgehoben wurde. Seitdem stellt St. Peter die Wallfahrtsseelsorger in Maria Plain.

Die neuerbaute Wallfahrtskirche mit ihrer weit ins Land leuchtenden Front und den beiden mächtigen Türmen brachte der Wallfahrt naturgemäß einen großen Aufschwung. Und doch befand sich, wie wir wissen, auf dem Hochaltar nicht das eigentliche Orignal-Gnadenbild,

sondern nur jene zweite Kopie, die vorher in der Holzkapelle war. Dies ist der beste Beweis dafür, dass die Verehrung des Volkes jeweils nicht dem Bilde als solchem galt, sondern der Gottesmutter, die darauf dargestellt war.

Nun sollte aber auch das Originalbild wieder nach Salzburg zurückkommen, das seit Jahren im Augsburger Ordinariat aufbewahrt wurde. Erzbischof Max Gandolf erbat vom Augsburger Bischof die Auslieferung des Bildes und der Abt Alphons von Weingarten, derselbe, der in die Plainer Kirche die herrliche Orgel stiftete, brachte es im Mai 1676 nach Salzburg. Es blieb zuerst eine Zeitlang in der Residenz des Fürsterzbischofs und wurde dann nach Maria Plain gebracht, wo in der sogenannten Schatzkammer ein Altar für dasselbe errichtet wurde. Nur wenigen hochstehenden Personen - außer dem Fürsterzbischof wurde hier der Zutritt zum Gnadenbild gestattet. Wie groß die Verehrung und das Vertrauen dieses Fürsten zur Gnadenmutter von Plain war, zeigen nicht nur seine häufigen Besuche, sondern besonders die Tatsache, dass er am Feste Mariä Opferung (21. November) 1681 sich selbst und sein ganzes Land Salzburg der Gottesmutter weihte und ihrem Schutze empfahl. Die Weiheurkunde schrieb er selbst auf Pergament, unterzeichnete sie mit seinem Blute und befestigte sie an der Rückseite des Gnadenbildes, wo sie sich heute noch befindet. Am 8. September 1732 wurde dann dieses eigentliche Gnadenbild vom Fürsterzbischof Leopold v. Firmian auf den ihm gebührenden Platz, auf dem Hochaltar der Wallfahrtskirche, übertragen.

Jedem, der das Gnadenbild genauer betrachtet, wird auffallen, daß sowohl die Gottesmutter als auch das Kind auf ihrem Schoße mit je einer Krone geschmückt ist, und zwar mit einer wirklichen, nicht mit einer gemalten. Das kam so. Nach dem Tode des genannten Erzbischofs Leopold v. Firmian (1744) führte verfassungsgemäß das Domkapitel die Regierung des Landes bis zur Wahl eines neuen Erzbischofs. Da brach der österreichische Erbfolgekrieg aus und es bestand große Gefahr, dass das Erzstift, obwohl es sich neutral erklärt hatte, von den bayrischen und österreichischen Truppen überschwemmt und geplündert würde. In dieser Not wandte sich das Domkapitel an die Schutzfrau von Salzburg, die Gnadenmutter von Maria Plain, um Hilfe und versprach, das Gnadenbild mit zwei kostbaren Kronen zu schmücken, wenn die Gefahr vorüberginge. Und sie ging vorüber, das Land blieb vom Kriege verschont. Und auch das Domkapitel hielt sein Versprechen- Es ließ zwei goldene, mit Edelsteinen besetzte Kronen herstellen, die nach Rom gebracht und von Papst Benedikt XIV. selbst geweiht wurden. Am 4. Juli (5. Sonntag nach Pfingsten) 17,51 wurde dann das Gnadenbild vom Fürsterzbischof Andreas v. Dietrichstein im Beisein einer ungeheuren Volksmenge feierlich gekrönt. Die Erinnerung daran wird noch jedes Jahr vom fünften bis sechsten Sonntag nach Pfingsten festlich begangen und ist unter dem Namen "Plainer Krönungsfest" bekannt. Gelegentlich eines solchen Krönungsfestes (wahrscheinlich 1779) erfolgte in der Wallfahrtskirche die Uraufführung der von W. A. Mozart komponierten "Krönungsmesse". Im Jahre 1951 wurde die 200-JahrFeier der Krönung besonders feierlich begangen.

Im gleichen Jahre (1951) hat der Heilige Vater Pius XII. mit Reskript des päpstlichen Staatssekretariats vom 22. September die Wallfahrtskirche mit dem Titel und den Privilegien einer "Basilica minor" ausgezeichnet und sie damit zu einer Würde erhoben, wie sie derzeit keine andere Kirche des Salzburger Landes besitzt.